Yoga bedeutet Körper, Geist und Seele im Einklang und das Beste ist : Yoga tut das für dich was du gerade brauchst.
Der Weg des Yoga beginnt für die meisten von uns da wo wir etwas verändern müssen oder wollen.
Beispielsweise zeigen uns Rückenschmerzen, Unbeweglichkeit, Rastlosigkeit und Burn out, dass es so nicht weiter gehen kann. Dann stellt sich die Frage, was kann ich mir Gutes tun? Die Antwort ist : Achtsamkeit und Bewusstheit. Achtsam sein mit mir und meinem Körper. Was läuft falsch in meinem Leben, warum gibt mein Körper mir diese Zeichen? Ja, jeder Schmerz, jedes Unwohlsein sind Symptome, die es zu hinterfragen gilt. Vielleicht hast du oft Kopfschmerzen, dann kann es sein, dass du nicht genug Wasser trinkst, verspannte Kiefer- und Nackenmuskulatur hast oder eine Sehschwäche. Oft hat unser Körper uns unzählige Male auf Dysbalancen aufmerksam machen wollen, wir hören aber erst wenn es richtig schlimm ist.
Mit Yoga kannst du lernen, deinen Körper und seine Zeichen besser wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Du willst dir bewusst machen, was gerade nicht stimmt und mit diesem Bewusstsein die Veränderung angehen. Dies ist nicht einfach, also hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst.
Yoga als Lebensphilosophie :
Die wohl bekannteste yogische Schrift nach Patanjali ist eine Art moralischer Kompass, der dir mehr inneren Frieden schenken kann. Dabei geht es in den Yamas, um ein gutes Mindset für Umwelt und Mitmenschen. Sie leiten dich an, bewusst zu werden im Handeln und mit dessen Auswirkungen. Du willst den Blickwinkel verändern, das Außen anders sehen, denn das verändert auch deine innere Welt.
Die Yamas – 5 Prinzipien für den Umgang mit anderen Menschen und der Umwelt
1. AHIMSA – Gewaltlosigkeit : Nur du selbst kannst den Frieden in die Welt hinaustragen, den du dir wünschst. Derjenige, der mit sich selbst nicht fein ist, wird im Außen auch keine Glückseligkeit erfahren. Freundlich und liebevoll mit der Natur und allen Lebewesen zu sein, ist nur möglich, wenn du dir selbst Liebe und Respekt schenkst. Schau dir an, wie du durch dein Leben gehst, welche Verurteilungen, Verletzungen, Schuldzuweisungen und negative Bewertungen begleiten dich? Ahimsa bedeutet, das zu ändern. Nur du kannst die Wahl für dein Leben treffen, es in Liebe, Akzeptanz, Toleranz und Frieden zu führen oder Groll, Angst und Mangel deinen Weg bestimmen zu lassen. Das Mantra “ Lokah samasta sukhino bhavantu “ kann dich daran erinnern. Es bedeutet übersetzt : Mögen alle Lebewesen in Glück und Harmonie verbunden sein. Das beginnt bei dir und jedem einzelnen Menschen im Kleinen, nur so kann es im Großen auch funktionieren.
2. SATYA – Wahrhaftigkeit : Dieses Yama wirbt für Authentizität, denn wenn du dich zeigst wie du bist, ziehst du die Menschen und Aufgaben an, die zu dir passen. Mach dir bewusst, wann und wie du dich verstellst, um Anderen zu gefallen oder in irgendwelche Normen zu passen. Du darfst deine Wahrhaftigkeit zeigen, natürlich ohne andere zu verletzen (s.o.) und gibst somit deinen Mitmenschen die Erlaubnis es auch zu tun. Dadurch entstehen tiefe, echte Bindungen und Beziehungen. Was hält dich manchmal davon ab, ganz du selbst zu sein ?
3. ASTEYA – Nicht stehlen : Hier ist nicht nur die Straftat des Diebstahls gemeint, sondern Asteya lässt dich auch die Illusion des Mangels ansehen, die entsteht wenn du etwas unbedingt haben willst oder zu brauchen scheinst. Du lernst Fülle zu fühlen, mit dem was du hast. Dieses Yama zeigt uns auch, dass du von anderen nichts fordern solltest, was sie dir nicht aus freien Stücken geben wollen und niemanden zu manipulieren oder einzuschränken. Dies passiert oft unbemerkt in Beziehungen, wenn Erwartungen an den Gegenüber nicht erfüllt werden oder du deine Ängste auf die geliebte Person überträgst. Eltern schränken so ihre Kinder in ihrer Entwicklung ein, weil sie Angst haben, dass etwas Schlimmes passiert. Du „stiehlst“ deinem Gegenüber die Freiheit selbst zu entscheiden. Dankbarkeitstagebücher, Großzügigkeit und Vertrauen sind hilfreich um Ateya zu etablieren.
4. BRAHMACHARYA – Die All – Seele : bedeutet wörtlich die Bewegung auf das Wesentliche hin. Traditionell meint Brahmacharya ein Leben im Zölibat und sexuelle Enthaltsamkeit. Es ging darum, all seine Sinne zu kontrollieren und rein zu halten, statt sich sinnlichen Freuden hinzugeben. Im heutigen, modernen Verständnis geht es eher um ein Leben mit Maß und Ziel. Kein Übermaß an Besitz, Essen, Arbeit, Sport, Sex und so weiter. Nein, uns soll nicht der Spaß verdorben werden, es wird das Wertvollste geschützt – unsere Lebensenergie. Unsere Lebenszeit ist begrenzt und so auch die Energie, die uns jeden Tag zur Verfügung steht. Brahmacharya will uns daran erinnern, unsere Zeit und Energie bewusst einzusetzen und sorgfältig mit dem Geschenk des Lebens umzugehen. Wir müssen wieder lernen das Wesentliche in den Mittelpunkt zu stellen, statt vergeblich zu versuchen die endlosen Wünsche des Egos zu befriedigen.
5. APARIGRAHA – Nicht besitzen : Anspruchslosigkeit. Hier geht es darum, nicht ständig etwas haben zu wollen, nicht mehr zu besitzen als nötig und sinnvoll ist. Also frei sein von Gier und Verlangen. Es meint neben dem Materiellen auch das Immaterielle, wie Aufmerksamkeit erlangen und an Überzeugungen festhalten. Mit diesem Yama werden wir angehalten, unser Verhalten hinsichtlich Konsum und Besitz zu hinterfragen und ins Bewusstsein zu bringen. Als nächstes geht es um Nicht-Anhaften – Was oder wer dient nicht mehr unserem Wohl und wir lassen nicht los. Mit der Frage „Was brauche ich wirklich, wirklich?“ können wir mit dem Ausmisten starten, im Haushalt und im Leben. Was macht mir Freude und bereichert mein Leben?
Die Niyamas – 5 Prinzipien im Umgang mit sich selbst
1. SAUCHA – Reinheit : Körperhygiene und verschiedenste Reinigungstechniken werden in der Tradition angewendet um den Körper zu entlasten und zu entgiften. In diesen alten Ritualen geht es auch darum den Geist zu reinigen, die Gedanken rein und klar zu halten. Die Krönung der Sascha Praxis besteht darin, auf reine Weise mit allem was ist in Beziehung zu sein, von Augenblick zu Augenblick zu leben – ohne Altlasten, ohne Vorurteile, ohne Erwartungen. Für unseren modernen Alltag bedeutet das, den Körper zu reinigen und zu entlasten. Dafür gibt es verschiedene Methoden, die bewusst ausgeführt werden um Ballast loszuwerden (Detox, Fasten). Weiterhin geht es darum, den Körper zu nähren und den Geist sorgfältig zu „füttern“. Psycho- und Mentalhygiene beinhaltet Yoga, Meditation ebenso wie Spaziergänge an frischer Luft und das Leben mit dem Anfängergeist zu betrachten. Auch ein morgendliches Journaling kann den Geist frei und klar machen.
2. SANTOSHA – Zufriedenheit : bedeutet glücklich sein mit dem was ist und zufrieden mit dem was wir haben. Santosh erinnert uns daran, dass unser wahres Glück in uns liegt und aus uns kommt. Unser Geist zeigt dazu zu Versschleiern, dass Glückseligkeit und Zufriedenheit immer in uns sind. Denkfehler, unsere Tendenz zum Negativen, fixe Vorstellungen und Erwartungen stehen uns im Weg und wir sind uns nicht bewusst, dass jeder Augenblick so viel Wunderbares und Schönes enthält. Einer der größten Schlüssel für innere Zufriedenheit ist DANKBARKEIT. Es gibt immer einen Grund dankbar zu sein.
3. TAPAS – Selbstdisziplin : Im Sanskrit heißt Tapas wörtlich Glut oder Hitze. Die vielfältigen Übersetzungen beinhalten unter anderem Selbstbeherrschung, Transformation, Entscheidung- und Willenskraft, Ausdauer und Durchhaltevermögen zu haben. Durch Tapas befreien wir uns von alten Mustern und hinderlichen Gewohnheiten und entfalten unser wahres Wesen. Der Lohn dafür, Unangenehmes freiwillig anzunehmen und daran zu wachsen ist letztlich Freiheit, Zufriedenheit, Urvertrauen und Furchtlosigkeit. Hierbei dürfen wir vor lauter Disziplin nicht in Perfektionswahn verfallen, denn perfekt sein entspricht meist nicht unserem wahren Selbst. Der beste Weg im Alltag ist Motivationsfaktoren zu erkennen und die eigenen Vermeidungsstrategien zu entlarven.
4. SVADHYAYA – Selbststudium : Etwas erforschen oder nah an etwas herangehen bedeutet Svadhyaya in Sanskrit. Wir erforschen alles was uns hilft uns selbst zu reflektieren, unsere Muster und Konditionierungen durchschauen und in Kontakt mit unserer inneren Göttlichkeit zu kommen. In der Tradition des Yoga gehört das Studium der alten heiligen Schriften zu Svadhyaya um Selbsterkenntnis zu erlangen. Beherzigen wir die Yamas und Niyamas erhalten wir jede Menge Hinweise, die den Weg zu wahren Selbst ebnen. Sich selbst und Gedanken hinterfragen, innerer Beobachter im Alltag sein und den Sinn des Lebens finden.
5. ISHVARA PRANIDHANA – Hinabe an das Göttliche : bedeutet tiefes Vertrauen in den Fluss des Lebens zu haben nicht unbedingt, sich an einen Gott zu hängen. Denn Yoga ist keine Religion und Hingabe kann auf vielfältige Weise entstehen. Die absolute Hingabe an das was ist führt zur Erleuchtung – zur Erkenntnis, dass alles Eins ist, so heißt es in den yogischen Schriften. Wir werden mit Ishvara Pranidhana erinnert, mehr im Moment zu sein, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft – im JETZT.
ASANA – die Körperhaltungen
Die Richtlinie dafür ist : „sthira sukham asanam“ – Die ideale Haltung ist stabil und leicht zugleich. Früher galt das für den Sitz in der Meditation und wandelte sich dann für die Körperhaltungen des Yoga. Stabil bedeutet in der Haltung präsent und zentriert zu sein. Dies lässt sich wie immer auch auf den Alltag übertragen – wir spüren mehr Stabilität wenn wir präsent und zentriert im jetzigen Moment sind. Der Geist kann zur Ruhe kommen und nicht wie so oft umherspringen wie ein Äffchen. Ein frei fliessender und bewusster Atem bringt die Leichtigkeit im Yoga und im Leben. Wenn wir unseren Atem beobachten erkennen wir die Grenzen unseres Körpers. Jedes Anhalten oder Stocken gibt das Signal für Weniger und freies, müheloses Atmen ist das Zeichen für Leichtigkeit. Die Yamas und Niyamas lassen sich auch ganz wunderbar auf die Yoga Praxis verwenden. Dadurch wird die Yoga Erfahrung noch tiefer und effektiver – stabil und leicht zugleich.
PRANAYAMA – Lenkung der Lebensenergie
Die Ausdehnung der Bewegung von Aus- und Einatmung in einer idealen Haltung, nennt man Pranayama. Prana ist übersetzt nicht nur der Atem, die Bedeutung geht noch tiefer : es ist die universelle Lebenskraft oder Lebensenergie die das ganze Universum erfüllt. Yama bedeutet Regel und ayama – kontrollieren, anhalten, erweitern, ausdehnen. Wir beobachten, spüren und fokussieren uns auf den Atem und erhalten körperliche Gesundheit, emotionale Balance und geistige Klarheit. Es gibt viele verschiedene Atemtechniken, die unterschiedliche Wirkungen haben. Von Entspannung, Motivation, Energetisierung, Öffnung und Entgiftung ist alles möglich. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir uns des Atems bewusst werden, Einatmung, Ausatmung, die Bewegungen des Körpers dabei und die kleinen Pausen, die dazwischen entstehen.
PRATYAHARA – Rückzug der Sinne
Prati bedeutet wider, weg oder entgegen und Amara heisst Kost, Nahrung oder etwas, was wir uns von außen zuführen. Also – weg von von außen Zugeführtem = fasten. Nach Patanjali ziehen sich die Sinne automatisch zurück wenn wir unsere volle Aufmerksamkeit auf den Atem richten, es ist also nichts was wir aktiv tun müssen, sondern eine Folge der Beruhigung des Geistes. Dennoch ist der Rückzug der Sinne auch eine aktive Entscheidung und Übung, die Ablenkung durch äußere Einflüsse bewusst zu ignorieren. Eine alltägliche Übungspraxis in reizarmer Umgebung und das bewusste Reduzieren von Medien aller Art kann helfen den Weg nach Innen zu finden. Außerdem unterstützen Achtsamkeitsübungen und der gezielte Einsatz der Sinne dich darin, Gelassenheit, innere Ruhe und Stressresilienz zu entwickeln.
DHARANA – Konzentration
Wenn sich der Geist auf einen Ort, ein Objekt oder ein Thema konzentriert, ist das Dharana, die anhaltende Ausrichtung. Konzentration ist die Fähigkeit, störende Faktoren beiseite zu lassen und die ganze Aufmerksamkeit auf ein gewähltes Objekt auszurichten. Klingt einfach ist es aber nicht, denn nichts entzieht sich so hartnäckig unserer Kontrolle wie unser Geist. Ganz klar, das ist sein Job – er will uns vor lauernden Gefahren beschützen, auch wenn es ungefährlich scheint. Auch hier gilt, Übung macht die Meisterin. Eine stetige Dharana Übungspraxis wird belohnt mit einem deutlich ruhigeren Geist, der nicht mehr unwillkürlich hin und her springt. Am einfachsten startest du diese Praxis mit der Konzentration auf den Atem, denn er ist immer da und löst viele zu beobachtende Vorgänge im Körper aus.
DYANA – Meditation
Die anhaltende Ausrichtung des Bewusstseins führt zu einem Zustand der Meditation. Meditation ist ein beständiger Fluss der Wahrnehmungen oder Gedanken, wie das Strömen des Wassers im Fluss. Wir fallen in einen Zustand, in dem der Geist friedlich, klar und vollkommen wach ist und haben Zugang zur universellen Intelligenz. Dayana ist die Weiterführung von Dharana, denn wenn die Aufmerksamkeit eine Weile ungehindert fliesst setzt der Zustand der Meditation von ganz allein ein. Jede Seele meditiert auf ihre eigene Weise, jeder Mensch empfindet diesen Zustand anders und selbst das eigene Empfinden ist von Mal zu Mal unterschiedlich. Es gibt also nicht die eine, empfehlenswerte Meditationspraxis – du findest deine individuelle, mit der du dich wohl fühlst.
SAMADHI – Erleuchtung
Laut Patanjali bedeutet Erleuchtung : Genau dann, wenn nur noch das Motiv leuchtet und das meinende Selbst verschwindet, tritt die vollkommene Erkenntnis ein. Es ist ein temporärer Bewusstseinszustand der Erkenntnis – wir erfassen die Einheit allen Seins und erfassen unmittelbar, intuitiv die Wirklichkeit. Erleuchtung ist ein Prozess, der jegliches Ich-Bewusstsein, die Identifikation mit dem Körper, mit dem denkenden und fühlenden Geist und dem eigenen Namen auflöst. Jetzt mal ehrlich – Ist das ein erstrebenswerter Zustand? Für mich nicht.
Die Richtlinien des Patanjali können auf dem Yogaweg unterstützen und helfen ein besserer Mensch zu sein. Finde bitte selbst heraus, wie weit du gehen möchtest. Es gibt jede Menge Material zu diesem Thema zum Weiterlesen. Das hier waren meine Meinungen, die ich nach meinem eigenen Verständnis zusammengefasst habe. Danke, dass du bis hierher gelesen hast. 😉
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